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März, 2013

Was ist die Frankfurter Tabelle?

Im Zusammenhang von Schadenersatz bzw. Preisminderungsansprüchen bei Reisen taucht immer wieder der Begriff der „Frankfurter Tabelle“ auf.

Dabei handelt es sich um eine veröffentlichte Entscheidungssammlung der 24. Zivilrechtskammer des Oberlandesgerichts Frankfurt, die versucht, mit tabellarisch aufgelisteten Prozentsätzen einen Richtwert zur Berechnung von Preisminderungsansprüchen zu geben. Damit sollen der Praxis möglichst einheitliche, transparente und nachvollziehbare Grundsätze in die Hand gegeben werden.

Die Frankfurter Tabelle besitzt entgegen landläufiger Meinung keinerlei Rechtsverbindlichkeit, sie ist lediglich wichtige Orientierungshilfe. Wenngleich sie in letzter Zeit oftmals starker Kritik ausgesetzt war, ist die faktische Autorität der Tabelle und ihrer aufgelisteten Prozentsätze stark. Die Frankfurter Liste ist „auch für den österreichischen Rechtsbereich als brauchbare Orientierungsgrundlage heranzuziehen“, so der Oberste Gerichtshof (etwa OGH: 2002/10/10, 6 Ob 11/02i, Veröffentlicht in: SZ 2002/130). Doch auch der OGH schränkt ein: „Sie stammt weder vom Gesetzgeber noch von einer von ihm ermächtigten Verwaltungsbehörde und besitzt keinen Normcharakter; dass die genannte Tabelle als brauchbare Orientierungsgrundlage bezeichnet wurde, zwingt nicht dazu, in jedem Einzelfall zu prüfen, ob die sich aus der Tabelle samt ihren Erläuterungen ergebenden prozentuellen Minderungsbeträge den jeweils festgestellten Mängeln prozentpunktgenau entsprechen“ (OGH: 2005/11/03, 6 Ob 251/05p).

Das heißt, dass im Einzelfall natürlich das zuständige Gericht die tatsächliche Preisminderung aufgrund der konkret gegebenen Umstände nach richterlichem Ermessen zuzusprechen hat.

Als Reaktion auf die Auseinandersetzung höherer und Oberster Gerichtsbarkeit in Österreich haben Anwalt Eike Lindinger und Konzipientin Andrea Scheibenpflug eine Sammlung österreichischer Rechtsprechung zum Thema Preisminderungsansprüche im Reiserecht zusammengestellt, die sogenannte „Wiener Liste“.

Couchsurfing echte Bedrohung für die Hotellerie?

Es ist ein Trend – Couchsurfing. Man bucht sich sein Bett über airbnb, gloveler, housetrip oder wimdu und nächtigt quasi „privat“ in einer Ferienwohnung, einem Zimmer oder seltener tatsächlich auf der Couch des Vermieters.

Die deutsche Hotellerie sieht sich durch den Trend nun bedroht. Denn die Couchsurfer haben durch ihr graues Wirtschaften einen kräftigen Preisvorteil: Sie sehen sich nicht an die hohen Auflagen der Hotellerie gebunden, sind mit einer weit geringeren Service-Erwartungshaltung der Kunden konfrontiert – und zahlen oftmals nicht einmal Steuern. Keine Sicherheitsstandards, keine Sozialversicherung für Reinigungspersonal, keine Kulturabgaben. Dadurch kann der neue Mitbewerb preislich sehr kompetitiv anbieten.

Und die Branche merkt’s. Laut DeHoGa, dem deutschen Hotelverband, werden 87 Millionen Nächtigungen jährlich auf dem grauen Markt lukriert. Vor allem in Großstädten ist dies eine merkliche Konkurrenz für die etablierte Hotellerie. Bei 407 Millionen von der regulären Hotellerie laut Destatis (Deutsches Statistisches Bundesamt) verzeichneten Nächtigungen geht man also von einem Anteil der „Grauen“ von mehr als 17% aus.

Insgesamt wohl ein Effekt des Trends zur Diversifizierung im Urlaubsverhalten – und das, obwohl der Preisvorteil oft nur ein scheinbarer ist. Nächtigungen in Hotels gibt es oft schon viel billiger zu haben als bei Privatleuten.

Den ganzen Artikel von der deutschen Wirtschaftswoche gibt es hier.